Digital oder analog?

Veröffentlicht: 18. Mai 2015 in Allgemein
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Markus Vogelbacher / Pixelio.de

Heutzutage ist eigentlich alles digital. Telefone, Kameras, Fernseher, sogar Zahnbürsten.
Kein Wunder also, dass sich die Frage auch beim Mischpult stellt. Wenn eine neue Anschaffung ansteht – soll es digital oder analog sein?

Analog = einfach, digital = kompliziert?
bis vor einiger Zeit hätte ich vermutlich zugestimmt. Heute sehe ich das ein wenig differenzierter.
Häufig bieten digitale Mischpulte deutlich mehr Funktionen als Ihre analogen Pendants, wenn man nur das Pult als solches betrachtet. Sind für viele analoge Pulte Zusatzgeräte notwendig, um beispielsweise Kompression, Gating oder Effekte zu nutzen, sind diese Funktionen in aktuellen Digital-Konsolen häufig enthalten und flexibel einsetzbar.
Das mehr an Funktionen in Digital-Bereich führt natürlich zu einer gewissen Komplexität – insbesondere, wenn diese Funktionen zunächst nicht benötigt oder gewünscht sind. Der zweite Faktor, der den Ruf der komplizierten Bedienung nährt, liegt darin, dass Digital-Konsolen sehr viel mehr Flexibilität bieten, Signalwege und Ausgabe einzustellen, die bei analogen Konsolen „fest verdrahtet“ sind – im wahrsten Sinne des Wortes.

Eine gewisse Komplexität ist also bei digitalen Konsolen nicht von der Hand zu weisen. Wie aber sieht es bei analogen Konsolen aus? Wenn ich einen komplett ausgebauten analogen Mischpult-Platz anschaue, ist hier die Komplexität auch nicht zu unterschätzen. Die Verkabelung von Pult, Multicore, Side-Rack mit Effekten und Signalprozessoren ist durchaus vergleichbar zu digitalen Konsolen. In der Bedienung würde ich sogar dazu tendieren zu sagen, dass es bei einem Analog-Setup eher mal passiert, dass man am falschen Kompressor dreht, oder den falschen Equalizer erwischt.
Allerdings gibt es in den wenigsten Gemeinden, die ich gesehen habe einen vollständigen Analog Mischpult-Platz mit umfangreichem Side-Rack. Tendenz also nach wie vor – die Digitale Welt ist dank mehr Funktionalität auf engstem Raum auch hier und da komplexer.

Aber…
…es gibt aus eigener Erfahrung auch Dinge, die auf digitalen Mischpulten deutliche Vorteile und Vereinfachungen bringen.

1. Speichern und Laden von Einstellungen.
auf digitalen Mischpulten lassen sich in der überwiegenden Anzahl der Fälle Einstellungen abspeichern und später wieder laden.
Wie häufig ist am Mischpult bei Eintreffen des Technikers „irgendwas“ verstellt. Eine Fehlersuche ist häufig zeitaufwändig – sind allerdings „Referenz-Einstellungen“ gespeichert und können einfach geladen werden, ist mit wenigen Handgriffen wieder ein funktionsfähiges Setup des Pults hergestellt.

2. Fernbedienung.
Digitale Konsolen lassen sich häufig über Tablets oder Smartphones mit Hilfe einer WLAN Verbindung fernbedienen. Das ermögicht eine ganz neue Freiheit beim Mischen, sei es die Anpassung des Saal Equalizers, wenn man durch den Raum laufen kann, oder das Anpassen eines Monitor-Sounds, wenn man auf der Bühne steht. Nicht zuletzt besteht so bei mobilen Aufbauten die Möglichkeit vom optimalen Platz aus zu mischen, auch wenn die Raum- und Platz-Möglichkeiten des Raumes dort die Aufstellung des Mischpultes nicht erlauben. Eben sehr angenehm, wenn auch kein Killer-Feature.

3. Transportabilität.
Zu analogen Mischpulten gehört nicht selten eine Reihe von weiteren Geräten – dem sogenannten „outboard Equipment“ – also weiteren Geräten zur Beeinflussung des Sounds: Dynamik-Prozessoren wie Compressoren, Expander/Gates, oder auch Effekt-Prozessoren. In digitalen Konsolen sind diese Funktionen bereits verbaut, so dass weitere Geräte beim Transport weder transportiert noch neu verkabelt werden müssen.

Vielleicht ist es hier schon durchgeklungen – ich oute mich als Fan der digital-Mischpult Technik. Nachdem die digitale Mischpult-Technik in den vergangenen Jahren zum einen recht teuer war und damit selten in der Kirchen-Welt anzutreffen war, ist inzwischen eine Reihe von relativ erschwinglichen Digital-Mischpulten erhältlich, die auch mehr und mehr in den Kirchen und Gemeinden Einzug halten. Hersteller wie Behringer mit dem X32 Mischern oder Soundcraft mit den SI Modellen, oder auch neue Yamaha Modelle der Serie TF sowie Presonus mit den StudioLive Modellen bieten allesamt Einstiegs-Modelle im unteren Preissegment an, die man mit in die Überlegungen einbeziehen sollte, wenn eine neue Anschaffung ansteht.

Werden allerdings alle zusätzlichen Funktionen der digitalen Mischpulte nicht benötigt und ist ggf. auch eine geringere Zahl von Kanälen ausreichend, bleiben analoge Mischpulte gute Alternative, die auch noch deutlich preisgünstiger zu haben sind. Sind allerdings mehr als 16 Kanäle benötigt und ggf. auch mal ein Effekt, bietet es sich an, die digitalen Konsolen zumindest mit ins Kalkül zu ziehen.

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